DICHTERN, KOMPONISTEN UND VIELEN ANDEREN
AUF DER SPUR

Eine Reise durch Oberfranken und die Oberpfalz, Folge 2

Text: Michael Kaminski
Fotos: Christine Kraak

GÖSSWEINSTEIN

Burg auf dem Felsen und gelagerte Wallfahrtsbasilika drunten im Tal, der Marktort bietet dem Auge dar, was seit Tieck und Wackenroder unter „romantisch“ firmiert. Wenngleich die beiden Poeten auf ihrer Wanderung durch die Fränkische Schweiz hier nicht einkehrten. Dass Jean Pauls Streifzüge durch die Region den Ort berührten, darf als wahrscheinlich gelten.

Richard Wagner und Cosima fanden sich auf einer Kutschfahrt und Fußmarsch kombinierenden Reise durch die Region samt den fünf Kindern und dem Kindermädchen am 11. Mai 1879 ein. Sie aßen in einem örtlichen Gasthof zu Mittag. Ihre Waldwanderung führte über die Stempfer- zur Sachsenmühle. Bei Letzterer wartete die Kutsche, um sie zur Übernachtung in Muggendorf zu bringen.

Gößweinstein, Burg und Basilika. Foto: Schubbay

Gößweinstein, Burg und Basilika.
Foto: Schubbay

Die Gößweinsteiner Überlieferung sah in der von hoher Warte den Ort schirmenden Burg einst fürstbischöflich-bambergischer Lehensleute das Urbild für Wagners „Parsifal“-Montsalvat. Den Lokalpatriotismus in Ehren, doch hatte der Tonsetzer im Monat vor seinem Besuch die Orchesterskizzen abgeschlossen. Ferner gestattete das Gemäuer damals einen nur bescheidenen, weniger mittelalterlichen als frühneuzeitlichen Anblick. Ausgesprochen reizvoller Blickfang wurde es erst durch die neugotische Umgestaltung des Jahres 1890. So wird denn vor allem Balthasar Neumanns Wallfahrtsbasilika Wagner für sich eingenommen haben. Der Freund mittelalterlicher Sujets für die Bühne wusste die Baukunst des fränkischen Barock durchaus zu schätzen.

Den Anlass zur Wallfahrt gibt seit Jahrhunderten die eher abstrakte und daher – sollte man denken – schwer fassliche „Heilige Dreifaltigkeit“. Neumann symbolisiert sie durch Überführung des Langhauses in eine ausgreifende Dreikonchenanlage (kleeblattförmig angeordnete Apsiden mit halbrunden Abschlüssen). Architektenwerk auch der Hochaltar, freilich Johann Michael Küchels. Kongenial mit dem Schaffen des anderthalb Jahrzehnte älteren Neumann erwächst das Riesenbildwerk höchst effektvoll gleichermaßen aus baukünstlerisch klarer Disposition und pathetischen Figuren- und Vorhangwallungen. Das eminent Theatrale des Hochaltars wird Wagner kaum entgangen sein.

WEIDEN in der Oberpfalz

Die Stadt lag im Mittelalter überaus verkehrsgünstig an der Kreuzung der Goldenen Straße von Nürnberg nach Prag mit der von Nord- und Ostsee kommenden, über Regensburg gen Oberitalien führenden Magdeburger Straße. Auf Reichsland befindlich, gedieh Weiden im höchsteigenen Interesse der Kaiser. Obgleich nie dauerhaft zu reichsstädtischen Privilegien gelangt, besaß Weiden dennoch manches vergleichbare Vorrecht. Die Staufer bauten im 13. Jahrhundert den Ort zur bis heute kenntlichen Planstadt aus.

Weiden, Renaissancehäuser am Unteren Markt. Foto: Gemwen 10

Weiden, Renaissancehäuser
am Unteren Markt.
Foto: Gemwen 10

Weiden i. d. Oberpfalz, Altes Rathaus

Weiden i. d. Oberpfalz,
Altes Rathaus

Wenn auch die Brände von 1536 und 1540 das mittelalterliche Weiden niederlegten, so orientierte sich der Wiederaufbau doch an der von Stadttor zu Stadttor über Unter- und Obermarkt verlaufenden Längsachse. Gleich einem Querriegel trennt seit Anlage der Planstadt das auf halbem Weg gelegene Rathaus die beiden Plätze. Das einstige Zentrum kommunaler Politik und Verwaltung lässt stattliche Renaissance sehen. Ihm nacheifernd, die den Unteren Markt flankierenden Bürgerhäuser. Heute reiht sich hier eine Gastronomie an die andere: Cafés und Restaurants in der Spannbreite von Heimischem über Mediterranes bis zu Fernöstlichem. Sicher alles köstlich, wir entschieden uns abendlich für die Brauereiwirtschaft. Das Bier geht an, der Schweinsbraten ist besser. Sei dem, wie ihm sei, wir hatten einen ohnehin angenehmen Tag.

Bestückt mit Erzeugnissen der örtlichen Porzellanindustrie, hatten wir den Werksverkauf jener 1910 gegründeten Fabrik verlassen, deren  TV-Werbung in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts gar Fliegende Untertassen und die Panzerknacker aufgeboten und – hochfrequenter noch – das Folgejahrzehnt durchzogen hatte. Unerachtet außerirdischer Flugobjekte und Disney-Figuren, verbanden wir mit der Marke Alltagstauglichkeit samt Anspruchslosigkeit des Designs. Solides Küchengeschirr halt, nichts für die im sonntäglichen Esszimmer gedeckte Tafel. Das gegenwärtige Sortiment wusste daher zu überraschen. Gewiss, noch immer findet sich darin wenig ambitionierte Gebrauchsware. Erstaunlich indes die raffinierte Schlichtheit mancher Serie für Büro und Heim. – Weidens zweite Porzellanfabrik ist beinahe drei Jahrzehnte älter. Bruchfestigkeit und leichte Stapelbarkeit ließen ihre Produkte in Krankenhäuser, Hotels und auf Ozeanriesen gelangen. Längst schon finden sich Serien gehobenen Designs in Grandhotels und Sternerestaurants. Beide Weidener Fabriken gingen voller Elan aus der durch die randvollen Geschirrschränke der Nachkriegszeit sowie asiatische und osteuropäische Billigimporte in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts veranlassten, seither um einige namhafte Marken und tausende Arbeitsplätze ärmeren Oberpfälzer Porzellanindustrie hervor.

Max Reger (1873 -1916).
Schöpfer titanischer Orgelkompositionen.
Foto: unbekannt

Der Tag darauf sah uns auf den Spuren Max Regers, des großen Sohnes der Stadt. 1873 Im nahen Brand geboren, zogen die Eltern schon im nächsten Jahr nach Weiden, wo Vater Josef seinen Dienst an der örtlichen Knabenvolksschule sowie Dozent der auf das Lehramt für diese Schulform vorbereitenden Königlichen Präparandenanstalt antrat. Selbst über das absolute Gehör verfügend und auf Klavier, Orgel, Harmonium, Violine und Kontrabass bewandert, erteilte der Vater dem Kind Unterricht vor allem auf den Tasteninstrumenten. Ein aus der Präparandenschule ausgesondertes Harmonium baute er zur Übungsorgel für den Sohn um.

An eine Berufsmusiker- gar Komponistenkarriere des Sohnes verschwendete Josef Reger dabei keinen einzigen Gedanken. Vielmehr sah er Max auf väterlichem Weg. Volksschullehrer sollte er werden. Die Vorzüge des Beamtenstatus in Verbindung mit einer komfortablen Dienstwohnung genießen wie eben der in jenem für des Königreiches Staatsdiener errichteten Neubau an der heutigen Bürgermeister-Prechtl-Straße, in den die Familie 1878 – vier Jahre nach ihrer Ankunft in Weiden – aus der Altstadt gezogen war. Gewiss kein prunkendes Heim. Jedem historistischen Überschwang abhold, zeigt die Fassade des rot verputzten Mehrfamilienhauses demonstrative Nüchternheit, Ausweis der rationalen Dienstauffassung der dort wohnenden königlich-bayerischen Beamten.

Neben dem Vater und womöglich einflussreicher unterwies Adalbert Lindner den Knaben auf der Orgel. Lindner war Josef Regers einstiger Schüler, nun sein Kollege im Volksschullehreramt, in Personalunion mit der Organistenstelle an der Stadtpfarrkirche St. Michael. Sein Geburtsjahr 1860 lag in der genauen Mitte zwischen Vater und Sohn Reger, so dass Lindner schon von daher eine Mediatorfunktion zwischen Sohn und Vater zuwuchs.  Nachdem er 1886 die Realschule mit glänzendem Abschluss verlassen hatte, trat der junge Reger ganz nach väterlicher Maßgabe in die Präparandenanstalt ein. Überdies vertrat er Lindner an der Orgel von St. Michael.

Haus mit einstigen Beamtenwohnungen in der Bürgermeister-Prechtl-Straße 31, Heim der Familie Reger

Haus mit einstigen Beamtenwohnungen
in der Bürgermeister-Prechtl-Straße 31,
Heim der Familie Reger

In der Grundsubstanz einem Instrument des niederländischen Orgelbauers Hermann Raphael Rodensteen aus der frühen zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, das freilich in den Folgejahrhunderten wiederholt saniert und umgebaut worden war. Zu Regers Zeit verfügte es über zwei Manuale. Auch Erhard Dietz’ Gehäuse wies in die Renaissance, wenngleich im Barock stark dem Zeitgeschmack angepasst. Reger traktierte das Instrument, bis er 1889 die Aufnahmeprüfung am Königlichen Lehrerseminar in Amberg bestand. Doch stand, seit er auf Einladung des Patenonkels die Bayreuther Festspiele des Jahres 1888 besucht hatte, wo er von „Parsifal“ bis ins Innerste erschüttert worden war, sein Entschluss zum Tonsetzerberuf fest.

Weiden, St. Michael. Foto: DALIBRI

Weiden, St. Michael. Foto: DALIBRI

Eine seiner Kompositionen hatte er dem am Fürstlichen Konservatorium in Sondershausen lehrenden – heute vor allem noch als Lexikograph bekannten – Musiktheoretiker Hugo Riemann geschickt. Der mit wertschätzender Kritik und insgesamt wohlgesonnen antwortete, so dass ganz wesentlich auf Lindners Fürsprache hin Josef Reger nach heftigem Widerstand und unter grundsätzlicher Missbilligung den Sohn im Frühjahr 1890 zum Studium in Sondershausen ziehen ließ. Sein Aufenthalt währte nur bis zum Spätsommer. Reger folgte Riemann ans Fuchssche Konservatorium nach Wiesbaden, wo er 1893 seinen Studienabschluss erwarb. In der Folge unterrichtete er am Konservatorium und gab private Klavier- und Orgelstunden. Im Modebad wurde Reger zum schweren Trinker. Die Eheaussicht auf eine Beamtentochter scheiterte. Zum letztmöglichen Termin fand er sich am ersten Oktober 1896 in der Wiesbadener Infanteriekaserne zur Ableistung seines Militärdienstes ein. Zwar ersparte ihm der Status des Einjährig-Freiwilligen die üblichen vier Jahre, indes hatte er persönlich für Ausrüstung, Unterkunft und Verpflegung aufzukommen.

Was ihn – die Eltern konnten und wollten den Sohn nicht unterstützen, der Vater diagnostizierte Größenwahn – in arge Schuldenmacherei trieb. Lange Zeit verbrachte der völlig Unmilitärische und keinem Befehlston Zugängliche in Lazarett und Arrestzelle. Der Ablauf des Jahres beim Militär änderte nichts an der Misere. Reger trank exzessiv. Tobsuchtsanfälle übermannten ihn. Zwei Mal wurde der an Aktinomykose (einer Infektion) Erkrankte am Hals operiert, erfolglos. Vergeblich bewarb sich Reger auf in Bonn und Heidelberg ausgeschriebene Kapellmeisterstellen. Kein Zweifel, er stand vor dem Ruin. Ehe der Gescheiterte seelisch, körperlich und finanziell unrettbar  verwahrloste, kam die drei Jahre jüngere Schwester Emma nach Wiesbaden, um ihn heimzuholen.

Vier Jahre zuvor hatte sie als Ergebnis der Beratungen mit ihrer Mutter Philomena den Hochgefährdeten schon einmal am Rhein aufgesucht. Freilich ohne die Situation ändern zu können. Doch nun bestätigte sich die Binsenweisheit, nach der Rat und Hilfe erst auf dem Tiefpunkt und bei Einsicht ins restlose Scheitern  greifen.

Im Juni 1898 brachte Emma den Bruder zurück in die der Weidener Altstadt unmittelbar benachbarte Beamtenwohnung. Liebevoll und streng wachten Schwester und Mutter darüber, dass Max ihnen nicht neuerlich verloren ginge. Reger Vater und Sohn, beide waren scharfzüngig. Wortgefechte, in denen Josef des Sohnes Kompositionen attackierte, die Folge. Wie vor Maxens Weggang, so erwies sich Adalbert Lindner auch jetzt als uneigennütziger Freund und Förderer. Zwar begleitete Reger nun nicht mehr die Gottesdienste in St. Michael, denkbar immerhin, dass er ab und an seine Kompositionen an der Orgel ausprobieren durfte. Zumal er oft in Adalbert Lindners Dienstwohnung im Haus gleich nebenan verkehrte. Weiden verlieh dem Schaffen des Tonsetzers nach seinen Wiesbadener – von ihm selbst so bezeichneten – „Sturm- und Trankjahren“ nicht zu erahnenden und ungebremsten Schub. Hier und jetzt entstand die Mehrzahl seiner Werke. Klavierstunden und Verlagshonorare für seine Kompositionen – Richard Strauss vermittelte den entscheidenden Kontakt – erlaubten ihm, sich am eigenen Schopf aus dem Schuldensumpf zu ziehen.

Weiden, St. Michael, Hochaltar (1791)

Weiden, St. Michael, Hochaltar (1791)

Was in Weiden auf’s Notenpapier fand, zählt zu den Großtaten der Orgelliteratur:  die „Phantasie über den Choral »Ein’ feste Burg ist unser Gott»“ (op. 27), „Phantasie und Fuge c-Moll“ (op. 29), „Phantasie über den Choral »Wie schön leucht’ uns der Morgenstern»“ (op. 40), „Phantasie und Fuge über B-A-C-H“ (op. 46). Final die „Symphonische Phantasie und Fuge“ (op. 57), zu Ruhm gelangt als „Inferno Phantasie“. – St. Michael: Die spätgotische, im Gefolge von Einsturz und Wiederaufbau des Kirchturms Mitte des 18. Jahrhunderts vorsichtig barockisierte Staffelhalle gibt sich im Inneren protestantisch-nüchtern. Übermächtig die weißen Wände und Pfeiler. Leere beherrscht den Kirchenraum. Barocke Ausstattungsstücke wie Hochaltar und Kanzel ändern wenig daran. Des bekennenden Katholiken Reger Faszination vom Protestantismus kann sich allein aus dem hier waltenden Geist nicht herleiten.

Weit eher werden ihn die Kontrastwirkungen von katholischer und evangelischer Liturgie beflügelt haben. Zuvörderst selbstredend ihrer jeweiligen geistlichen Musik. St. Michael fungierte zwischen 1633 und 1899 als Simultankirche beider Konfessionen. Hier bot sich dem die katholischen Gottesdienste beorgelnden Reger Gelegenheit, an ein und demselben Ort Unterschiede zu beobachten. Zahlreiche seiner Werke sinnen auf deren Vereinigung. Den protestantischen Choral bereicherte er um katholischer Liturgie innewohnender gewisse Theatralität. – Zunächst enttäuscht der Blick auf die Orgelempore. Keine Spur von Regers jahrhundertealtem Instrument. Dessen Nachfolgerin – ein Werk des Nürnberger Orgelbauers Johannes Strebel – verfügte über 24 Register und zwei Manuale.

Auf Einladung des evangelischen Dekans nahm der inzwischen prominente Tonsetzer im März 1903 die kirchenamtliche Orgelprobe vor. Wertschätzung persönlicher Verdienste überwand Konfessionsgrenzen. Doch wurde auch dieses Instrument ersetzt, 1969 durch eines der Firma Walcker. Keine vier Jahrzehnte waren ihm beschieden. Das Jahr 2007 sah die Einweihung der „Max-Reger-Gedächtnis-Orgel“. Von der Eifeler Orgelbaufirma Weimbs erstellt, verfügt sie über 53 Register und drei Manuale. Ziel war, Regers immensen technischen Anforderungen zu genügen. Der heimische Künstler Wolfgang Neugebauer schuf ein neues Gehäuse in zurückhaltenden Formen, das historische wurde fachgerecht eingelagert. So bleibt es denn allein dem Klang der Weimbs-Orgel überlassen, Regers Anwesenheit in St. Michael zu bekunden.

Weiden, Max-Reger-Gedächtnis-Orgel in St. Michael

Weiden, Max-Reger-Gedächtnis-Orgel
in St. Michael

Altes Schulhaus. Foto: Allexkoch

Weiden, St. Michael, Hochaltar (1791)

Gleich neben der evangelischen Stadtpfarrkirche befindet sich der mächtige Renaissance-Block des „Alten Schulhauses“ (nicht zu verwechseln mit der Knabenvolksschule). Vor allem als „Getreidekasten“ erbaut, nahm der Speicher bis 1877 ferner die Deutsche samt der Lateinschule auf. Heute bietet das „Alte Schulhaus“ dem Stadtmuseum und -archiv samt einer Galerie für Wechselausstellungen Raum. Hier bewohnte Adalbert Lindner eine Dienstwohnung. Deren Räume nun zum Stadtmuseum gehören. Zwei davon enthalten Lindners Regersammlung: Tafelklavier und Flügel, die er benutzte, den Spieltisch, an dem er die Orgelprobe von 1903 vornahm, Autographe, Erstdrucke, Photos und Erinnerungsstücke wie ein Portemonnaie, das Reger auf Reisen mit sich führte. Das Stadtarchiv bewahrt zahlreiche Notenhandschriften des Komponisten.

Eisenbahnanschluss und Eisenbahnausbesserungswerk, in ihrem Gefolge rasant an Boden gewinnender Handel und florierendes Gewerbe sowie den Wohlstand noch weiter befördernde Fabrikgründungen ließen Weidens Bevölkerung in ungeahntem Ausmaß wachsen. Die Zahl der Gottesdienste stieg. In St. Michael musste das Simultaneum aufgegeben werden. Am 29. September 1901 – dem Michaelistag – wurde die in Nachbarschaft der Regerschen Wohnung neuerbaute, monumentale katholische St. Josefskirche geweiht. Der Tonsetzer indes war zu Beginn des Monats samt inzwischen pensioniertem Vater, Mutter und Schwester nach München gezogen. Weiden war seinem Schaffen und Ruhm zu klein geworden. Von Bayerns Kapitale hoffte er beider weitere Beförderung. – Lehrer, Freund und Mentor Adalbert Lindner hatte seine Organistenstelle an St. Michael verloren. Sein Volksschullehrergehalt besserte er künftig durch Klavier- und Harmoniumhandel auf.

Max-Reger-Halle, Haupteingang

Max-Reger-Halle, Haupteingang

Otto Wesendonck, Weidener Welle

Otto Wesendonck, Weidener Welle

Die 1991 eröffnete Max-Reger-Halle ist Weidens Kultur- und Kongresszentrum und neben St. Michael und Altem Rathaus Veranstaltungsort der alljährlich im Spätsommer und Frühherbst stattfindenden Max-Reger-Tage. Das multifunktionale Konzert-, Theater-, Kongress- und Messegebäude des Amberger Architekten Gerhard Ziegler stellt im Großen Saal bis zu 900, in einem weiteren bis zu 360 Plätze zur Verfügung. Das Ziel, Baukunst und unterschiedlichste Veranstaltungsaufgaben zu vereinbaren – die Kompromisse gering zu halten – ist der Stadthalle anzusehen. Keiner Zugeständnisse hingegen bedurften Otto Wesendoncks auf dem Weg zum Haupteingang positionierte „Weidener Wellen“. Die 1992 aufgestellte Edelstahlskulptur wogt elf Meter hoch und sanft vor sich hin. Eines der abgeklärtesten und überzeugendsten Werke des hauptsächlich in west- und süddeutschen öffentlichen Räumen vertretenen Metallbildners.